Max Spohr (1850–1905), einer der interessantesten Akteure des deutschen Buchmarktes an der Wende zum 20. Jahrhundert, verkörpert auf ideale Weise den Typus des Programmverlegers. Als erster und für viele Jahrzehnte einziger Verleger baute er systematisch ein Programm mit Schriften zur Homosexualität auf, die der Zerstörung eines jahrhundertealten Tabus dienten und den „Enterbten des Liebesglückes“ zu sozialer Akzeptanz zu verhelfen suchten. Gemeinsam mit Magnus Hirschfeld gründete er 1897 das „Wissenschaftlich-humanitäre Komitee«, die weltweit erste Organisation der homosexuellen Emanzipationsbewegung, auf deren Entwicklung er bis zu seinem frühen Tod maßgeblichen Einfluß ausübte. Spohr nahm soziale Stigmatisierung, finanzielle Einbußen und eine lange Reihe von Gerichtsprozessen auf sich, ohne sich in seinem Engagement beirren zu lassen. Stolz erklärte er: „Ich brauche wohl nicht hervorzuheben, daß durch meinen Verlag noch nie ein unsittliches Werk Verbreitung fand, auch wenn ich den Mut besitze, Schriften zu veröffentlichen, die, wenn sie auch heikle Gegenstände berühren, lediglich der Menschheit zum Segen dienen.“
zurück1. Vorbemerkung 2. Max Spohr und sein Verlag 1850–1951 Biographischer und firmengeschichtlicher Überblick 3. Das Verlagsprogramm im Überblick 4. Jenseits der Grenzen der erkennbaren Welt. Neue Religiosität und Spiritismus 5. Im Zeichen der literarischen Avantgarde Der Verlag „Kreisende Ringe“ 6. Schriften zur Sexualaufklärung 7. Max Spohr und die Frühgeschichte der homosexuellen Emanzipationsbewegung 7.1. Die ersten Schriften zur Homosexualität (1893–1896) 7.1.1. Die Enterbten des Liebesglückes von Otto de Joux 7.1.2. Von Otto de Joux zu Magnus Hirschfeld 7.1.3. Die frühen Positionen im Überblick 7.2. Die Anfänge der organisierten homosexuellen Emanzipationsbewegung 7.2.1. Die Gründung des Wissenschaftlich-humanitären Komitees 7.2.2. Die Reichstagspetition zur Abschaffung des § 175 7.2.3. Die ersten Jahre des Wissenschaftlich-humanitären Komitees 7.3. Der Hausverlag des Wissenschaftlich-humanitären Komitees 7.3.1. Die Gesamtausgabe der Schriften von Karl Heinrich Ulrichs 7.3.2. Das Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen 7.3.3. „Was muß das Volk vom dritten Geschlecht wissen?“ Populärwissenschaftliche Aufklärungsliteratur 7.3.4. Homosexuelle Belletristik 7.3.5. Die Schriften von Oscar Wilde 8. „Eros vor dem Reichsgericht“ Zensurprozesse 8.1. Zensurprozesse gegen Schriften zur heterosexuellen Aufklärung 8.2. Zensurprozesse gegen Schriften zur homosexuellen Emanzipationsbewegung 9. Verlagsgeschichte und Emanzipationsbewegung Literaturverzeichnis Bibliographie der Verlagsproduktion von Max Spohr in Leipzig (einschließlich des Verlags „Kreisende Ringe“ und des Verlags „Wahrheit“ Ferdinand Spohr), 1883–1941 Vorbemerkung Verzeichnis der abgekürzt zitierten Literatur Bibliothekssigel Danksagung Register