Bd. 10: Das Loch in der Mauer. Der innerdeutsche Literaturaustausch. Herausgegeben von Mark Lehmstedt und Siegfried Lokatis. 1997. 368 S. (ISBN 3-447-03918-3). EUR 43,–; Vorzugspreis für Mitglieder des Leipziger Arbeitskreises zur Geschichte des Buchwesens: EUR 25,–.
Über vierzig Jahre hinweg beobachteten sich Verleger, Buchhändler, Schriftsteller und Kulturpolitiker aus beiden Teilen Deutschlands auf vorgeschobenem Posten. Es war ihr Beruf, den Austausch von Ideen aus den unterschiedlichsten Interessenlagen heraus zu fördern, zu kanalisieren und zu kontrollieren. Auch wenn sie sich manchmal mißtrauisch belauerten, vertäuten sie als ein letzten “Band der Nation” zwei auseinanderdriftende Literatursysteme und bestimmten das Bild mit, das man voneinander haben konnte. Der Band vereinigt die Beiträge der 5. Tagung des Leipziger Arbeitskreises zur Geschichte des Buchwesens, die im September 1996 in Zusammenarbeit mit dem Wolfenbütteler Arbeitskreis für Buchgeschichte in Leipzig stattfand. Das warnende Wort vom “Zeitzeugen als Feind des Historikers” im Ohr, bewegen sich die Autoren – Historiker und einstige Akteure – bewußt im Bereich zwischen Erfahrung und analytischer Auseinandersetzung.
Inhaltsverzeichnis
I. Phasen und Institutionen
Michael Lemke: Vom Postulat der “demokratischen” Wiedervereinigung zur konföderativen Absage an Gesamtdeutschland. Die Grundzüge der SED-Deutschlandpolitik
Siegfried Lokatis: Phasen deutsch-deutscher Literaturpolitik der DDR unter Ulbricht. Devisenprobleme, Außenhandelsinstrumente und Kontrollinstanzen
Stefan Tiepmar: “Bürgerkriegsliteratur” und andere “staatsgefährdende Schriften”. Westdeutsche Abwehrstrategien im innerdeutschen Buchaustausch
Monika Estermann: Die Börsenvereine in Leipzig und Frankfurt – eine Problemskizze
Heinz Sarkowski: Die Anfänge des deutsch-deutschen Buchhandelsverkehrs (1945 – 1955)
Heidi Karla: Der Handel mit antiquarischen Büchern aus der DDR in die BRD
Klaus G. Saur: Die Leipziger Buchmesse 1946 bis 1989
Gottfried Rost: Die Deutsche Bücherei als “Loch in der Mauer”
Helmut Rötzsch: Eine Gratwanderung ohne Absturz. Die Deutsche Bücherei Leipzig in jener Zeit
II. Verlagsbeziehungen
Gaby Staude: Rütten & Loening nach 1945: Ein zweigleisiger Verlag
Carsten Wurm: Der Aufbau-Verlag und der geteilte Buchmarkt (1950-1956)
Daniel Haufler: Das Volkseigentum wird streng bewacht. Klaus Wagenbachs West-Ost-Projekte
Bettina Jütte: Das Problem der “zweigleisigen Verlage” als Folge der Lizenzierungspolitik in der SBZ am Beispiel des Gustav Fischer Verlags (1945–1953)
Wulf D. v. Lucius: Die Zusammenarbeit der Gustav Fischer Verlage in Stuttgart und Jena 1953 bis 1989
Helmut Bähring: Wie selbständig waren die Volkseigenen Verlage?
Lothar Berthold: Der Akademie-Verlag Berlin
Siegfried Hoffmann: Den innerdeutschen Handel miterlebt
Roland Links: Was war die “Mauer”, was war das “Loch”? Ein Versuch
III. Autoren-Kontakte und Literaturrezeption
Christine Malende: Hat das Deutsche PEN-Zentrum Ost und West zum innerdeutschen Literaturaustausch beigetragen?
Carsten Gansel: Deutschland einig Vaterland? Der Deutsche Schriftstellerverband und seine Westarbeit in den fünfziger Jahren
Martina Langermann: Westdeutsche Literatur in der NDL. Literaturen in Konkurrenz
Hans Altenhein: Im Spiegel: DDR-Literatur in den Hauspublikationen eines westdeutschen Verlages (Luchterhand 1965-1987)
Gerhard Dahne: Vom Blick über die Mauer
Norbert Oellers: Die Schiller-Nationalausgabe – ein deutsch-deutsches Editionsunternehmen
York-Gothart Mix: Der ‘Abschied vom ständigen Rücksichtnehmen auf die Zensur’. Günter de Bruyns Erzähltexte im deutsch-deutschen Literaturdialog
Mark Lehmstedt: Im Dickicht hinter der Mauer – der Leser